DOK Leipzig 2022

Machtgebäude

Aufnahme eines Gebäudes.

Heinz Emigholz verknüpft die Fäden von Kolonialismus und Faschismus

Zerschnittene Architekturen, von Architektur zerschnittene Lebensräume: Ganz auf die Macht der Bilder setzt Heinz Emigholz. Der Filmkünstler zeichnet mit »Schlachthäuser der Moderne« mittels vieler Detailaufnahmen eine Skizze westlicher Monstrosität. Welchen Willen zur Gewalt kann Architektur verkörpern, ist seine Frage, die kolonialistische und nationalsozialistische Ausbeutung und Vernichtung umkreist.

Lange Strecken von Architekturfotografie aus Argentinien bestimmen die erste Filmhälfte. Francisco Salamone hat dort in der Pampa während des »berüchtigten Jahrzehnts« der 1930er, in denen Demokratie nur auf dem Papier bestand, wahnwitzige Repräsentationsbauten errichtet. Die Zentralperspektive mit aufragenden Mitteltürmen und Anleihen an Sakralarchitektur dominiert bei Rathäusern, Friedhöfen und ja: Schlachthäusern. Manchmal sind Rundungen, fast immer kubische Formen verbaut, weil Salamone auf eigentümliche Weise Art Deco und Futurismus verband – Emigholz stellt Bezüge faschistischen Verwaltungsbauten in Italien her. Die Gebäude erschlagen, was insbesondere auf die pietätlosen Portale zu den Totenackern zutrifft. Da glotzt zum Beispiel von einem klotzigen Kreuzkoloss vor wuchtigem Strahlenkranz ein kantig-realistisches Christusgesicht auf die Menschen herunter, die sich durch eine schmale Pforte drücken. Die Schlachthäuser hingegen wirken wie ruinöse Tempel.

Emigholz zerschneidet die Gebäude durch viele Perspektiven. Nachdem das Zuschauerauge derart geschult ist in der Destruktion schrulliger Baukunst, wendet er diese Technik aufs Berliner Humboldt-Forum an. In Wort und Bild nimmt Emigholz dessen verbaute Ideologie sowie dessen Vorgängerbau unterliegenden Ungeist auseinander. Das ist fordernd, aber durchdacht – und am Ende mit einer kleinen bunten Pointe versehen.

»Schlachthäuser der Moderne«
R: Heinz Emigholz
Deutscher Wettbewerb
23. Oktober, 12 Uhr CineStar 5

Foto: DOK Leipzig 2022 / Schlachthäuser der Moderne (2022), Regie Heinz Emigholz

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